Ballonfahrt Schleswig – Königswiesen-Kropp
Ballonfahrt Schleswig am 28.06.2018
Und auf den Königswiesen treffen wir ihn wieder: „ Der Rote Korsar“ mit Burt Lancaster als Kapitän Vallo. Nein, aber schon dicht dran mit einer Hülle aus edlem weinrot, Käpt’n … Und der Kollege spielt sich selbst. So langsam kommen wir uns doch näher. Nicht ganz so nah ist jene Mitfahrerin, die die Ballonaufschrift „Feiner Pinkeln“ wohl zunächst umgesetzt hat und nun die Entfernung zum bereits abfahrbereit stehenden Ballon durch einen filmreifen Lauf über den östlichen Teil der ausgedehnten Königswiesen zu minimieren sucht. Manches muss man einfach live sehen.
Langsam schwebt der nun vollbesetzte Ballonkorb gen Westen der Sonne hinterher, um später mit der Höhe nach links zu driften. Einen weiteren Probeballon brauchen wir diesmal nicht. Nach entspanntem Aufrüsten folgen wir der nicht vorhandenen Luftspur. Verfolgerfreundlich schwenken wir in einer Höhe von etwa 500 Metern auf die B77 ein. Nachdem wir in langsamem Steigen die Nachbarn auf den Balkonen der nahen Neubauten gegrüßt und etwas höher dann den Yachthafen von oben begutachtet haben. Der Kollege hat bereits das andere Ende des riesigen Militärflugplatzgeländes erreicht, als wir über der Ortschaft Jagel etwas tiefer gehen.
Mit abnehmender Höhe geht es nun immer mehr nach rechts, so dass wir über einen offenen Hangar am Rande des Platzes kurven. Die Spitze des stillen Donnervogels ragt hervor, daneben zwei auf Rollwagen liegende Waffen. An der Seite des Hangars werden gerade ein paar Autos poliert – Bereitschaftszeit. Langsam driften wir weiter, doch die Wiesen, die wir so erreichen, gehören allesamt zu Sandkuhlen und sind somit hinter Schloss und Riegel. Ohne weitere Höhenänderung beschreiben wir nun eine Linkskurve und unsere Geschwindigkeit nimmt zu. Wie erwartet, aber nicht genau terminierbar, setzt sich nun der Wind aus Richtung Nordsee durch. Wir nähern uns also wieder der B77. Einige Wiesen dort sehen ganz vielversprechend aus. Die Wiese dahinter ist der Flugplatz Kropp, leider links von unserer aktuellen Fahrtrichtung. Die Wiese mehr rechts ist der alte Sportplatz.
Während wir noch sondieren, ob der Platz aktuell offen ist, wird aus zwei von links auftauchenden Ponys plötzlich eine ganze Pferdeherde. Holla die Waldfee! Mit dem Flüsterbrenner, der zum Abfangen nur so eben ausreicht, nähern wir uns nun möglichst leise, aber straight der Wiese Nr.3. Überraschend entspannt und nett antwortet die Besitzerin des Pferdehofes, der ich auf halbem Wege zum Paddock begegne. Auf meine erste Frage: „Ist was passiert?“ – „Bei uns nicht, bei euch?“ Auch die übrigen Reiterinnen und Pferdebesitzerinnen am Stall sehen den unangemeldeten Abendbesuch aus heiterem Himmel ganz gelassen „Die Pferde müssen erstmal etwas runterkommen, dann könnt ihr durchfahren.“
Jetzt haben wir allerdings auch erstmal zu tun, denn zwar ist die meiste Luft aus der Hülle raus, aber die dicke ist noch drin und eine Seilitze, die irgendwo zwischen den Spuren von Montag und Dienstag verlief, muss wieder neu eingesetzt und gespannt werden. Aber besser dicke Luft in der Hülle, als dicke Luft am Landeplatz. Beim Herausfahren geht es dann zum zweiten Mal mitten durch eine Menge Pferde und einen Haufen freundlicher Gesichter. Norbert kennt schon ein paar Charaktere der ersten Gruppe von der Hinfahrt.
Andreas Kühl

